Jens Lüdtke von Black Box Music zum Thema Gebrauchte Veranstaltungstechnik

Immer kürzer werdende Produktzyklen setzen uns unter Druck

Dass gebrauchte Veranstaltungstechnik eine eigene Sparte ist, zeigt sich auch dadurch, dass der Wiederverkauf von Equipment seine eigenen Plattformen hervorgerufen hat. Wir haben uns einmal näher zum Thema Second Hand Veranstaltungstechnik umgesehen.

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Jens Lüdtke (Bild: Max Schwarzlose)

Black Box Music aus Berlin hat über 20 Jahre Erfahrung in der Vermietung von Equipment, vor allem in der Planung und Umsetzung technischer Veranstaltungskonzepte. Diese umfassen u. a. Komplettlösungen für Tourneen, Corporate Events und Messen. Jens Lüdtke ist bei Black Box Music Projektleiter und für die Disposition der Tontechnik zuständig. Er sprach mit uns über eine Branche, die die Weiterverwertung von Produkten für sich entdeckt hat.

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Wie siehst du den Markt der Gebrauchten Veranstaltungstechnik und wie wichtig ist der Verkauf von Material für euch?

Gebrauchte Veranstaltungstechnik ist ein richtig großer Markt. Wir Dienstleister stehen oft unter dem Druck immer aktuelles Material für den Verleih vorhalten zu müssen. Gerade die immer kürzer werdenden Produktzyklen setzen uns unter Druck. So ist bei den Tonpulten die Innovationsrate durch die Digitalisierung in den letzten Jahren sehr hoch. Es setzen sich nur wenige Standards als wirklich riderfest durch. Es ist ein stetiger Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Innovation. Ein wichtiges Stellglied dafür sind die Bühnenanweisungen der Bands, welche wir gern mit aktuellem Material bedienen. Ist das aktuelle Material erst einmal da, so will kaum noch jemand mit dem älteren Material arbeiten. In der Lichttechnik jagt ein Trend den nächsten. Ständig sollen neue Looks kreiert und das Licht immer wieder neu erfunden werden, um den Wow-Effekt hervorzurufen. Folglich ist hier ein Produktfeuerwerk der Hersteller im Gange. Man bedenke alleine, was im LED-Sektor regelmäßig an Innovationen hinzukommt. Aus diesem Grund ist der westliche Gebrauchtmarkt durch entsprechende Materialfülle eigentlich „verstopft“. Entscheidungen, das Material abzustoßen, können sowohl aus wirtschaftlicher Überlegung als auch wegen wesentlicher Handlingvorteile erfolgen. Dazu kommen noch Systementscheide wie das Umstellen von L-Acoustics auf die K-Serie. Es kommt auch vor, dass für eine Tour spezielles Material eingekauft wird, für das es nach der Tour u. U. kaum Verwendungsmöglichkeiten gibt. Dadurch ergeben sich große Lager – bestände, die oft nur noch Lagerfläche kosten. Spätestens dann ist das der Zeitpunkt für uns das Material abzustoßen.

Wie gestaltet ihr die Preise für das gebrauchte Material?

Eingehende Recherchen, was für das gebrauchte Material am Markt noch erzielbar ist, sind maßgeblich. Es gibt leider keine Tabellen oder dergleichen, wie in der Automobilbranche. Dazu sind Vergleiche auf den Portalen für gebrauchte Veranstaltungstechnik sehr hilfreich. Je nach Produkt, Stückzahl oder Wertigkeit nutzen wir auch verschiedene Portale. Dabei setzen wir hauptsächlich auf verschiedene Broker. Dazu zählt Grace Audio, das den amerikanischen Markt bedient. Aufgrund der hohen Transportkosten lohnt sich das allerdings nur bei größeren Mengen bzw. Beträgen. Auf der Insel ist Bob Kelly ein Begriff. Ebenso aus UK ist UsedFul, welche u. a. gute Kontakte in den arabischen Raum haben. In Deutschland ist Desch Audio sehr populär. Die Broker bekommen von uns eine Liste und mailen diese dann an ihre Kunden und Kontakte.

Bühne mit offener LED-Wand
Bühnensituation mit offener LED-Wand (Bild: Detlef Hoepfner)

Wäre eBay für euch interessant?

eBay kommt für uns nur im Notfall in Frage, also bei Kleinkram, diversem DJEquipment oder Material, welches auch für Endverbraucher interessant sein könnte. Man muss bedenken, dass die Vermittlung über eBay noch mal rund 10 % Gebühr kostet und Artikel zudem in Bruttopreisen angeboten werden müssen. Dadurch bleiben noch einmal 19 % Mehrwertsteuer auf der Strecke. Bevor wir etwas wegwerfen, probieren wir es natürlich noch mal via eBay, die Profis erreichen wir mit eBay aber nicht. Generell ist der Verkauf an Endkunden eher mühselig, mit vielen Rückfragen und hohem Betreuungsaufwand bei geringem Umsatz verbunden. Das Portal www.gebrauchte-veranstaltungstechnik.de aus Deutschland hat den Vorteil provisionsfrei zu vermitteln und erreicht neben den Profis auch die DJs und viele der Klein- und Kleinstverleiher.

Wohin verkauft ihr?

Grundsätzlich ist es bei den Verkäufen außerhalb der EU oft erforderlich, eine Herkunftsbescheinigung für den Zoll mitzuliefern. Das gestaltet sich unter Umständen schwierig, wenn das Material von Leasinggesellschaften zwischen – finanziert wurde (sale and lease back). Verkäufe ins europäische Ausland haben generell sehr viel Papierkram zur Folge. Am besten man sucht sich dabei Hilfe bei seinem Steuerberater oder der IHK. Interessant für die östlicheren Länder sind z. B. unsere Funkstrecken, die aufgrund der Digitalen Dividende bei uns nicht mehr professionell einsetzbar sind. In anderen Ländern haben die Funkstrecken jedoch optimale Einsatzbedingungen. Abgesehen von größeren Investitionen, bei denen sich der Transportaufwand und eine eventuelle Beantragung der Papiere für den Zoll lohnen, verkaufen wir unsere hauptsächlich im Inland. Nicht zu vernachlässigen ist der Einsatz von gebrauchter Veranstaltungstechnik in Festinstallationen, auch bei Erstausstattungen: So kann der für die Tour zu schwere Verstärker ohne integriertes Controlling im Festinstallationsbetrieb noch viele Jahre gute Dienste verrichten. Generell versuchen wir den Verkauf so reibungslos wie möglich zu gestalten, indem wir die Ware detailliert beschreiben: Je genauer und ehrlicher man den Zustand beschreibt, desto weniger Konflikte gibt es im Nachhinein mit dem Käufer.

Wie handhabt ihr die Bezahlung?

Innerhalb der EU oder im Inland ist sicherlich Barzahlung bei Abholung für uns der sicherste und konfliktfreieste Weg. Gebrauchte Veranstaltungstechnik zu verkaufen, ist im Allgemeinen ein recht mühseliges Geschäft, für das man viel Geduld aufbringen muss. Wir bearbeiten viele Anfragen, von denen sich etliche als Luftnummern herausstellen. Es gibt Anfragen, ob man mit Scheck bezahlen kann oder einen Monat später, um mit den Einnahmen der ersten Veranstaltungen die Ware zu bezahlen. Da heißt es Augen auf, gesunden Menschenverstand einschalten und alles hinterfragen. Vorkasse oder Bares bei Abholung sind meist die probaten Mittel.

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