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Licht-Laufsteg für Depeche Mode auf der Global Spirit Welttournee

Wer bei Depeche Mode dachte, da gäbe eine angestaubte 80er-Band einfach einen zum Besten, um die eigene Rentenkasse ein letztes Mal gehörig aufzustocken, liegt falsch: Depeche Mode – die maßgeblichen Erfinder des Synthie-Pop – präsentieren sich und ihre Songs auf der Welttournee „Global Spirit“ authentisch, aber auch optisch und akustisch in einem zeitgemäßen Stadion-Rock-Gewand.

Depeche Mode(Bild: Harry Heckendorf)

Das Design für Depeche Modes Welttournee „Global Spirit“ stammt vom niederländischen Regisseur und Fotografen Anton Corbijn. Als Lichtdesigner wurden Sooner Routhier und Robert Long vom Depeche Mode Management auserwählt. Beide sind Mitbegründer der Produktionsfirma SRae, die in der Nähe von Nashville (USA) angesiedelt ist. Namhafte Künstler wie z. B. Audioslave, Kiss, Rage Against the Machine oder Rihanna wurden von SRea Productions in der Vergangenheit erfolgreich betreut. Das künstlerische Konzept nahm ein Artwork des aktuellen Depeche-Mode-Albums Spirit als Grundlage. Corbijns Bühnenbild sah eine große, rechteckige Videowand hinter der Bühne vor und eine „Video- und Licht-Fahnenstange“ als Laufsteg, der sich bis ins Publikum erstrecken würde.

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Depeche Mode Lichtlaufsteg
Fahnenmast als Laufsteg mit Martin Sceptrons gesäumt (Bild: Harry Heckendorf)

Überdies wurde von Corbijn ein möglichst „industrieller Look“ für das Lichtdesign gewünscht, der sich vor allem in der asymmetrischen Anordnung der Trusse über dem Bühnenraum zeigte. Die circa 13 × 7 m große Videowand war auf der Höhe von ca. 2 m unterteilt und wurde dann mittels eines Sockels etwas versetzt fast bis zum Bühnenboden weitergeführt. Auf diese Weise konnte dazwischen – also auf den gesamten 13 m – ein weiterer Laufsteg verborgen werden, auf dem der Sänger (hinter bzw. oberhalb der übrigen Musiker) während der Show agieren konnte.

Auf dem Sockel unterhalb der LED-Wand waren eine Reihe mit VL 6000 sowie Clay Paky Sharbars positioniert, diese halfen u. a. den Video Content der LED-Wand auf die Bühne optisch zu „verlängern“ – da die jeweiligen Farben perfekt angeglichen bzw. übernommen werden konnten. Der gebürtige New Yorker Manny Conde, der sich nicht nur allabendlich als Lighting Director während der gesamten Tour verantwortlich zeigte, sondern auch bei den Proben und Programming Sessions mitarbeitete, lobte die akribische Arbeit seines Co-Programmierers Brian Jenkins, der die Möglichkeiten der Sharbars während der gemeinsamen Pre-Programming Session erkundet und perfektioniert habe: „Die Sharbars sind überdies hervorragend robust. Die schlechten Wetterverhältnisse während einiger Shows in Europa haben die Sharbars ausnahmslos gut überstanden.“

Depeche Mode Sockel für LED-Wand
Sockel unterhalb der LED Wand: eine Reihe VL 6000 und Clay Paky Sharbars (Bild: Harry Heckendorf)

Neuste Vari-Lite VL 6000, bewährte Robe und GLP

Der „Fahnenmast“, der als Laufsteg in den Publikumsraum führte, war mit Martin Sceptrons gesäumt. Neben der LED-Wand sorgten die neuen Vari-Lite VL 6000 im Verbund mit Philips Nitro Strobes für enormen Druck und prächtige Looks. Überdies waren an den Traversen weitere VL 6000 positioniert. Die Produktion gehört zu den ersten, die die VL 6000 einsetzen konnte.


»Die VL 6000er sind mit nichts vergleichbar, was auf dem Markt erhältlich ist!«

Manny Conde | Lighting Director der Depeche-Mode-Tour


Auf die Frage, welche Erfahrungen man auf der Tour mit den neuen Vari-Lite-Modellen gemacht habe, folgte ein breit wissendes Lächeln: „Hey, die sind etwas ganz Anderes. Die sind mit nichts vergleichbar, nicht mit irgendetwas anderem, das auf dem Markt erhältlich ist. Du machst damit einfach unglaublich druckvolle Bilder. Riesige Beams fast schon wie ein Suchscheinwerfer. (lacht) Schau dir einfach die Show heute Abend an.“ Neben den 72 mächtigen VL 6000 setzten die Designer auf Bewährtes: So fanden sich zahlreiche Robe BFML ebenso wie GLP Impression x4 und Impression Xs auf der Bühne. „Wir haben nur wenige unterschiedlichen Fixtures in das Design übernommen – weniger ist manchmal mehr“, bekundete Lighting Director Manny Conde.

Grand MA 2 als Showsteuerung

Während sämtliche Kameras von einer Videoregie hinter der Bühne geleitet wurden, erfolgte die Mediensteuerung der LED-Wand zusammen mit der Lichtsteuerung über eine Grand MA 2 vom FoH-Platz aus. Dieses Pult sei für ihn inzwischen unverzichtbar, so Conde. In den Staaten gäbe es eine immer größer werdende Fangemeinde für das Pult: „Ich denke, es ist dort inzwischen bei 99% aller Live-Music-Produktionen anzutreffen – zumindest ist das mein persönlicher Eindruck. Ich glaube, dieses Pult ist inzwischen so viel mehr als es ursprünglich mal sein sollte. Ich meine, es ist mehr als ein Lichtpult! Es ist ein Show-Control-Pult und ist in den USA inzwischen der Standard geworden. Für mich als Coding-Programmierer war es zudem extrem leicht zugänglich und ich konnte sehr tief in die Materie des Pultes eintauchen. Das System spielt sehr gut mit dem Medienserver zusammen. Die Ansteuerung/Einbindung erfolgt über DMX und funktioniert sehr einfach und zuverlässig. Wir haben zwei Hippotizer im Einsatz, die den Content für die LED-Wand steuern und alle anderen Aufgaben übernehmen, die in Richtung Pixel-Mapping gehen (wobei eine als Spare-Einheit dient). Wir haben in der ganzen Zeit weder Medienserver oder Pult auf die bereitstehenden Havarie-Systeme umschalten müssen.“ Wie zu erfahren war, wird derzeit auf der Grand MA noch nicht die aktuelle Software 3.3 verwendet, sondern die letzte Version, die vor Tourneestart bzw. während der Proben erhältlich war.

Manny Conde
Lighting Director Manny Conde (Bild: Harry Heckendorf)

»Die Grand MA2 ist mehr als nur ein Lichtpult – es ist ein echtes Show-Control-Pult!«
Manny Conde | hält die Grand MA 2 für unverzichtbar


Stadion-Rock: dynamische Kameraarbeit

Für die Stadion-Shows waren neben der zentralen LED-Wand auch seitliche Videoflächen positioniert worden. Diese fehlten bei den Indoor-Konzerten. Auf der verbliebenen LED-Wand wurde eine abwechslungsreiche Mischung aus brillantem Content und packenden Live-Bildern präsentiert. Während manche Songs über die komplette Länge von einer eigens produzierten Video-Kurzgeschichte (sog. Videoclips) untermalt waren, wurden andere Titel mit Live-Bildern und/oder grafischem Video-Content unterstützt. Auffällig dabei war die sehr dynamische Live-Kameraarbeit, die eng mit dem Bühnengeschehen verwoben war – z. B. durch lange Einstellungen, die Sänger Dave Gahan bisweilen fast schon plansequenzartig erfassten, während er sich von einer zur anderen Ecke der Bühne bewegte. Die laut Manny Conde rund 20.000 Parameter der Show waren weitestgehend via Timecode an das Bühnengeschehen gekoppelt. Um jedoch die Show noch mehr pulsieren zu lassen, setzte der Operator auf „Handgedrücktes“.

Depeche Mode Lichtdesign
Sänger Dave Gahan auf dem Laufsteg in der LED-Wand (Bild: Harry Heckendorf)

Gestartet hatte die Band ihre Tour mit 20 vorprogrammierten Songs, darunter auch – im üblichen Maß – Material vom aktuellen Album. Im Laufe der Zeit fanden jedoch immer mehr Depeche-Mode-Klassiker den Weg ins allabendliche Programm und verdrängten zunehmend die aktuellen Songs.

Manny Conde durfte – oder musste – jetzt nachlegen. Die Setlist umfasste zum Zeitpunkt des Interviews (letzte Hallen-Show in Deutschland) bereits 40 Lieder. Oftmals würde die Band noch eine Stunde vor Konzertbeginn mit einer geänderten Setlist aufwarten. Dies sei aber überhaupt keine Belastung, lachte Conde: „Ich freue mich, dass so viele Menschen in so vielen Ländern zu dieser Show kommen und sich an ihr sichtlich erfreuen. Ich liebe, was ich tue und gebe gern – wie alle Beteiligten auf dieser Tournee – jeden Abend mein Bestes!“ Mit Rock-Rentnern, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, hatte das hier also absolut nichts zu tun!

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