R2D2 in der Radical-Linie

Ayrton MagicDot-R im Test

Der MagicDot-R kommt im wahrsten Sinne des Wortes einer „Single-Auskopplung“ aus der aktuellen „Radical-Serie“ des französischen Herstellers gleich. Nach runden, eckigen und linienförmigen Scheinwerfern präsentierte Ayrton auf der Prolight+Sound nun ein Single-LED-Washlight mit massivem Beamoutput in kompakter, kaskadierbarer Form.

Ayrton MagicDot-R
Ohne Kanten und Ecken – Eine gewisse Ähnlichkeit zu dem aus Star Wars bekannten R2D2 ist nicht zu bestreiten: Der tonnenförmige, nahezu homogen von Base in Bügel übergehende Scheinwerfer mit dem kugelförmigen Kopf sieht aber nicht nur elegant aus, sondern bietet auch keine ausscherenden Ecken und Kanten und ist daher extrem leicht kaskadierbar (Bild: Stefan Junker)

Mit der Radical-Linie weicht Ayrton bewusst von den üblichen, an ein LED-Washlight gestellten Vorgaben und damit von kompromissbehafteten Allroundern ab, wie sie zwangsweise in der Kombination von Output, Homogenität und Flexibilität entstehen. Vielmehr stellt jeder Scheinwerfer der R-Serie ein für bestimmte Anwendungen konzipiertes und dementsprechend optimiertes Werkzeug dar, dessen primäres Ziel in der Erzeugung eines massiven, kompromisslosen Outputs in Kombination mit weiterführenden, im Folgenden näher erläuternden Effekten ist.

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Unboxing

Wie der Scheinriese Tur Tur aus der Augsburger Puppenkiste präsentiert sich der trotz „kompromisslosem Punch“ und „enormer Power“ angekündigte MagicDot-R aus der Nähe als ein extrem kompakter und leichter Scheinwerfer. Mit lediglich knapp über 5 kg Gewicht, seiner kleinen Bauform und zweier, seitlich am Basement eingelassener Griffe erfolgt das Handling unter lautem Beifall eines jeden einzelnen Rückenwirbels von Tester oder Techniker.

Um beim Film zu bleiben: Nachdem der Franzose aus seiner Verpackung geschlüpft ist und testbereit auf der Plattform steht, ist eine gewisse Ähnlichkeit zu dem aus Star Wars bekannten R2D2 nicht zu bestreiten. Der zylindrische, nahezu homogen von Base in Bügel übergehende Scheinwerfer mit dem kugelförmigen Kopf sieht aber nicht nur elegant aus, sondern bietet durch seine Bauform auch im Betrieb bei Bewegung keine ausscherenden Ecken und Kanten und ist daher extrem leicht kaskadierbar und praktisch lückenlos in größeren Matrizen einsetzbar. Die Verarbeitung mit Metall-Skelett und schwarzem Carbon-Gehäuse wirkt insgesamt sehr wertig und robust.

Am Basement findet sich neben 5- poligen DMX-Buchsen auch powerCON-True1-In- und Out-Anschlüsse, wodurch nicht nur der Durchschliff mehrerer Geräte über Hybridkabel ermöglicht wird und sich bei max. 130 W Leistungsaufnahme durchaus große Stückzahlen im Daisy-Chain-Verfahren verkabeln lassen. Weiterhin ist auch das in der Praxis gängige, unter Last Ein- und Ausstecken der Stromversorgung jetzt offiziell möglich.

Auf der Unterseite findet sich – neben Aufnahmen für ein Omega-Bracket – weiterhin die Öse für die Sekundärsicherung. Wie so oft ist leider auch hier die Größe und Position für das Anbringen normgerechter Sicherungen schwierig. Das im Lieferumfang enthaltene Sicherungsseil ist nicht für den Einsatz in Deutschland zulässig, weder von der Art der Seilendverbindung (ohne eingelegte Kausche) noch vom Verbindungsglied (einem einfachen Karabiner). Visionstage bietet aber als Zubehör ein konformes Sicherungsseil an.

Der Kopf des MagicDot besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: Einem mächtigen, auf Flüssigkühlung und Heat-Pipe-Technologie basierenden Cooling-System hinten, einer extrem großen und massiven Linse vorne und einer kleinen, 60 W starken Osram RGBW-LED dazwischen, womit wir beim Kernkonzept der Radical-Serie sind: Durch eine Reduzierung der Emitteranzahl erhöht sich der zur Verfügung stehende Platz für die Kollimatoren, was wiederum durch extreme Bündelung zu einer enormen, optischen Leistungssteigerung führt.

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Perfekt für Matrix-Anwendungen Das kompromisslose Konzept der R-Serie erzeugt einen mächtigen, deutlich geformten und praktisch parallel verlaufenden Beam, der vor allem in größerer Stückzahl zur Geltung kommt°

urch eine langjährige Zusammenarbeit mit dem französischen Hersteller Gaggione, einem der führenden Produzenten für Kunststoff-Optiken, konnten hier bereits vor rund drei Jahren, mit Einführung des Magicpanel-602, Linsen mit 45 mm Durchmesser und einem Öffnungswinkel von 7,5° realisiert werden und damit den Grundstein für den neuerlichen Erfolg von Ayrton legen.

Aktuellen Kundenwünschen und Beamtrends folgend, wurden bereits kurze Zeit später 67 mm Linsen mit nur noch 4,5° Abstrahlwinkel in Kombination mit Osram Ostar LEDs die grundlegenden Bausteine für eine komplette Serie – die Radical (R-) Serie. Der MagicDot-R schließlich verfügt als vorläufiger Höhepunkt nun über eine 94 mm große Linse mit einem Öffnungswinkel von 4,5° und einem nochmals gesteigerten, optischen Wirkungsgrad von 85 Prozent – laut Hersteller entsprechend 180.000 cd!

Das grafische Farb-LC-Display und die dazu gehörigen Menütasten wurden im unteren Bereich des Geräts eingelassen. Erfreulich ist, dass der Scheinwerfer jedwede Pan/Tilt-Bewegung einstellt, wenn man durch Drücken der Menü-Taste zu den inneren Werten des Moving Lights vorrücken möchte. Allerdings bietet die glatte, lediglich touchsensitive Oberfläche dabei keinerlei mittels Tastsinn spürbare Rückmeldung, weshalb ein Bedienen der Tasten ohne optische Kontrolle schwierig, mit Handschuhen nahezu unmöglich ist. Eine Akkupufferung zum Setup der Leuchte ohne Stromversorgung gibt es leider nicht.

Das Navigieren im Menü ist mittels vier Richtungs- sowie Menü- und Enter-Taste intuitiv möglich, lediglich die Wahl des DMX-Betriebsmodi bedarf eventuell eines kurzen Blicks ins Manual. Dieser „versteckt“ sich im Menü- punkt „Mode“ in einem weiteren Untermenü „User-Mode“, da Ayrton dem User neben einem Basic-Mode mit 15 Kanälen und einem Standard-Mode mit 16-Bit-Auflösung von Pan/Tilt und dementsprechend 17 Kanälen auch die Möglichkeit bietet, seine eigene DMX-Chart zu definieren.

Apropos Manual: Das unserem Testgerät beiliegende Manual war in französischer Sprache verfasst und beherbergte noch einige Copy&Paste-Fehler. Nach Informationen des Vertriebs werden dem MagicDot R zukünftig aber Handbücher in englischer Sprache beiliegen. Erwähnenswert dürfte in jedem Fall der umfangreiche Stand-Alone-Modus sein, der eine Vielzahl an manuell editierten oder live gecapturerten Szenen in bis zu zehn Programmen verwalten und wahlweise Solo oder im Master-Slave-Betrieb ausgeben kann.

Praxis

Das Setup der Leuchte und die Einstellung der Basis-Parameter wie DMX-Adresse und Betriebsmodus ist wie bereits beschrieben direkt am Gerät, bei Bedarf aber auch über RDM von dementsprechenden Controllern per Remote möglich. Nach dem Reset fällt zuerst auf, dass sich der Kopf nicht ganz in Home-Position befindet, sondern bezüglich den Pan-Achse um einige Grad davon abweicht. Dies lässt sich natürlich über das Menü entsprechend kalibrieren.

Im ersten Testbetrieb zeigt der kleine Franzose dann aber sehr beeindruckend, wo seine Stärken liegen: Der MagicDot-R ist extrem hell und extrem schnell! Natürlich muss man den Output in einem realistischen Verhältnis zu der lediglich einzigen LED-Quelle sehen – deren abgestrahlte Lumen wandern aber nahezu komplett durch die große Linse und erzeugen einen mächtigen, deutlich geformten und praktisch parallel verlaufenden Beam. Kompromisslose Power, daher auch konsequent ohne weitere Bearbeitungsmöglichkeiten hinsichtlich Zoom oder Shaper. Wo Licht, da Schatten!

Ayrton MagicDot-R
Maximale Power Ein mächtiges, auf Flüssigkühlung und Heat-Pipe- Technologie basierendes Cooling-System, eine große und massive Linse und eine kleine, 60 W starke Osram RGBW-LED (Bild: Stefan junker)

Wie bei seinen Schwestermodellen kann auch der MagicDot-R hinsichtlich Farbmischung und Homogenität nicht zu einhundert Prozent punkten. Die Ausrichtung auf maximale Power zeigt bei Mischfarben doch leichte Farbschatten und Unregelmäßigkeiten im Beam – ein Kritikpunkt, der für den Verwendungszweck der Leuchte als Effektscheinwerfer allerdings kaum weiter ins Gewicht fallen dürfte.

Immerhin wird man konstruktionsbedingt nicht auf die Idee kommen, mit diesem Scheinwerfer einen Horizont homogen ausleuchten zu wollen … Mit seinem signifikaten Beam eignet sich der Scheinwerfer aber für kleine bis mittlere Entfernungen, wo andere Geräte auf Grund ihres „heißen“ Beams nicht eingesetzt werden dürfen.

Die Farbwahl erfolgt entsprechend aufsteigender Priorität entweder durch eine RGBW-Farbmischung, einen Colour-MakroKanal mit stufenlosen Farbverläufen oder einem emulierten Farbrad mit eigenem Dimmer, auf dem verschiedene Farbtemperaturen sowie eine Auswahl diverser Farben liegen. Etwas unlogisch ist dabei, dass nach dem Ausdimmen des Farbrades auf die mit der Farbmischung eingestellte Farbe gesprungen wird, auch wenn diese mittels Colour-Macro überschrieben wurde – bis man auch das Farbrad selbst auf Null zurück dreht.

Ayrton MagicDot-R
Größenvergleich Im Gegensatz zu den meisten Kollimatoren ist die Linse des MagicDot-R gigantisch! (Bild: Stefan junker)

Die erzeugten Farben sind LED-typisch sehr kräftig, lassen sich aber speziell durch Zugabe der weißen Komponente auch in sehr schöne, pastellartige Farbtöne verschieben. Einziger Kritikpunkt: Der automatische Colour-Crossfade ist selbst in schnellster Einstellung immer noch sehr langsam. Hier wurde auch schon nach Rücksprache mit dem Vertrieb Visionstage ein Update angekündigt, welches das Problem beheben wird.

Der MagicDot reagiert erfreulich direkt auf Pan/Tilt-Controllerbefehle und macht das Fokussieren und Presetting äußerst angenehm. Das Tempo der Maschine hinsichtlich Bewegungsgeschwindigkeit beeindruckt dabei gleich in zweierlei Hinsicht: Einerseits durchläuft der kleine Kopf die softwareseitig definierten 270° Tilt in nur 0,5 s, ganze 540° Pan sogar in etwas unter 1,1 s. Andererseits sind dies eben nur emulierte Grenzen im regulären Pan/Tilt-Betrieb, in Wirklichkeit bietet der Scheinwerfer über zwei separate DMX-Kanäle für beide Achsen stufenlos in der Geschwindigkeit regulierbare Endlos-Rotationen – im Übrigen ein weiteres Highlight aller Geräte der Radical-Serie.

Allerdings steigert sich der relativ leise Betrieb des Ayrton bei Nutzung der Rotation um ein Vielfaches, derartige Anwendungen in großer Stückzahl sind somit wohl eher akustisch nicht sensitiven Umgebungen vorbehalten. Die Positionsrückführung ist ausreichend genau, lediglich das bereits beim Magicpanel-R im Test praktizierte, mehrmalige manuelle Rotieren und Beobachten des sich analog zurück drehenden Kopfes bringt die Maschine gelegentlich etwas vom Ziel ab – ist aber angesichts solch massiver Einwirkung im realen Einsatz eher irrelevant.

Das Dimming ist in allen Betriebsmodi nur in acht Bit aufgelöst, auch hier zeigt sich die Ausrichtung des Scheinwerfers eher in Richtung Muskelprotz denn als Feingeist. Trotzdem reagiert der Scheinwerfer gleichermaßen linear auf Faderbewegungen und schnell auf Flash-Befehle. Selbst lange Fadezeiten stellen in der Praxis kein Problem dar, auch wenn gerade in den unteren Bereichen durchaus Sprünge sichtbar sind und damit natürlich auch die Farbtreue bei Mischfarben etwas beeinflusst wird.

Ayrton MagicDot-R
Basement und Aufhängung Auf der Unterseite findet sich neben Aufnahmen für ein Omega-Bracket auch die Öse für die Sekundärsicherung. Wie so oft ist die Größe und Position für das Anbringen normgerechter Sicherungen schwierig. (Bild: Stefan Junker)

Der Shutterkanal bietet genau das, was man von einem Shutterkanal erwartet. Neben Open/Close finden sich hier klassische Strobe- und Random- sowie Puls-Effekte in praxistauglichen Geschwindigkeiten und runden das implementierte Feature-Paket ab.

Fazit

Der MagicDot-R führt die Radical-Linie konsequent fort. Mit einem kräftigem Emitter und großer, qualitativ extrem hochwertiger Linse bietet der kompakte Scheinwerfer bei nur 130 W Leistungsaufnahme einen mächtigen Output. Herstellerseitig angegebene 180.000 cd in einem markant geformten Beam mit unter 5° Abstrahlwinkel sprechen hier eine deutliche Sprache.

Kräftige Farben und sanfte Pastelltöne sind über die RGBW-Mischung gleichermaßen gut zu realisieren, auch wenn man aufgrund der Punch-Priorität durchaus etwas Abstriche bezüglich Homogenität machen muss.

Eine weitere Beambearbeitung gibt es nicht, auf sämtliche den Output schmälernde Komponenten wie Zoom oder Beamshaper wurde bewusst verzichtet, um aus dem Licht-David keinen halbseidenen Goliath zu machen. Das Tempo für Pan/Tilt-Bewegungen ermöglicht Effekte, wie man sie wohl nur noch aus Zeiten der Spiegel-Scanner kennt, in Kombination mit der Pan/TiltEndlos- Rotation lassen sich hier grandiose Looks erzeugen.

Einziger Wermutstropfen: Zwei Scheinwerfer helfen da nicht viel! Schon die Bauform ohne abstehende Ecken und Kanten legt den kaskadierten Einsatz in Matrizen, zumindest aber in größerer Stückzahl, nahe! Das Ayrton MagicDot-R ist beim deutschen Vertrieb Visionstage GmbH zu einem Listenpreis von 1.690,− EUR zzgl. MwSt. zu beziehen.

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