Test

Beeindruckender LED-Spot aus Schwaben – der Varyscan P18

Darf’s ein bisschen mehr sein? Auch wenn Schwaben generell eher den Ruf der Sparsamkeit genießen, hat JB-Lighting sein neues LED-Flaggschiff Varyscan P18 mit zahlreichen Features und beeindruckender Leistung ausgestattet – so beeindruckend, dass wir nach unserem Ortstermin im schwäbischen Blaustein-Wippingen ein Exemplar direkt mitgenommen haben, um es einem ausführlichen Praxistest zu unterziehen.

JB-Lighting Varyscan P18

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Mit dem P18 präsentiert JB-Lighting nun bereits seinen dritten LED-Spot – auch wenn der Erstling P8, wie wohl die meisten frühen Spotlights mit RGB- oder RGBW-Cluster, am Markt nur eher verhalten angenommen wurde. Der Erfolg begann mit dem P7 und einer rein weißen LED-Engine, die erstmalig konkurrenzfähigen Output mit guten Projektionseigenschaften kombinieren konnte – wenngleich zum Preis einer nach wie vor mechanischen, subtraktiven Farbmischung.

Die gesammelten Erfahrungen mit dem P7 sowie die gestiegenen technischen Möglichkeiten im Bereich der LEDs, kombiniert mit den Anforderungen und Wünschen des Marktes, mündeten letztlich in der Entwicklung und Präsentation des leistungsstarken Varyscan P18, einem reichhaltig ausgestatteten Spotlight inklusive Blendenschiebersystem für vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in Show, Event oder Theater.

Rundgang

Der P18 wird grundsätzlich in zwei Versionen erhältlich sein: Einerseits die uns zum Test bereitgestellte, „kaltweiße“ Variante mit 7.000 K Farbtemperatur, maximal 34.000 lm Output und einem CRI von über 70. Andererseits eine „wärmere“ Variante mit 6.000 K, einem etwas geringeren Output von 28.000 lm und dafür deutlich höherem CRI von über 90. Entgegen ersten Ankündigungen wird der P18 nicht mit einem 900 W-, sondern aktuell mit einem 1.000 W LED-Array bestückt. Beide Typen spielen damit in der Klasse konventioneller 1.500 bis 1.700 W Moving-Lights, allerdings mit einer deutlich verringerten Leistungsaufnahme von ca. 1.200 VA – vor allem, wenn man bedenkt, dass diese nur bei aktivem Betrieb des Leuchtmittels aus dem Netz gezogen werden!

Auch wenn das neue Flaggschiff mit seinem leicht gewölbten Basement, einem kantigen Bügel und dem optisch eher schlicht gehaltenen Kopf äußerlich ansprechend und unverkennbar dem Hause JB-Lighting zuzuordnen ist, so leitet der neue Spot doch eine neue Ära hinsichtlich einiger bisheriger „Konstanten“ ein.

 


»Alles, was man mit dem Leatherman aufbekommt, darf auch geöffnet werden!«

Michael Nothelfer | techn. Vertrieb von JB-Lighting


 

Aufbau und Verarbeitung

Der Spot ist insgesamt äußerst wertig und solide verarbeitet. Ein Eindruck, der sich auch beim Öffnen des Kopfes bestätigt: Die Halbschalen sind passgenau und lassen sich leicht abnehmen und vor allem auch wieder ohne große Fummelei anbringen. Schön ist hier auch der Schnellverschluss des Safetys, der sehr leicht und einhändig geöffnet und geschlossen werden kann – allerdings nur auf der Oberseite mit Zugang zu den Modulen, die Sicherung der Unterseite ist verschraubt. Durchdacht ist auch die intelligente Verwendung unterschiedlicher Schraubenköpfe. So lassen sich Halbschalen und „Serviceklappe“ über Linsen, Prismen und Frost mit einem Kreuzschlitz öffnen, die weiteren „internen“ Verschraubungen sind mit Torx ausgeführt. Oder wie es Michael Nothelfer vom technischen Vertrieb ausdrückt: „Alles, was man mit dem Leatherman aufbekommt, darf auch geöffnet werden!“

Die modulare JB-Einschubtechnik sollte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, soll aber an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich lobend erwähnt werden: Innerhalb von wenigen Sekunden hat man – ohne weiteren Aufwand oder Kabel- Fummelei – die beiden kompakten Module Farbe/Gobo sowie Blendenschieber/Iris entnommen und kann hier bequem Servicearbeiten durchführen. Muss man allerdings keine Gobos wechseln, dürfte sich das Vergnügen mit den Einschub-Modulen für Reinigungszwecke stark in Grenzen halten.

Ein intelligentes Hitzemanagement bietet hier eine Kühlung der vollständig gekapselten LED-Engine ohne ein übermäßiges Durchströmen und Verschmutzen der optischen Komponenten.

Ausstattung des Varyscan P18

Anschlussseitig setzt JB erstmalig auf PowerCon-True1 In- und Output, kupfer-kommunikativ lässt sich der Scheinwerfer lediglich über 5-polige XLR oder EtherCon-Anschlüsse verbinden. 3-polige Anschlüsse sind nicht mehr vorhanden. Die beiden RJ45-Buchsen sind dabei über einen Switch gekoppelt und ermöglichen so ein Durchschleifen von bis zu acht Einheiten ohne Latenz. Neben seiner Muttersprache DMX versteht der Spot im Netzwerk sACN und Art-Net, eine Implementierung des MA-Net-Protokolls ist in naher Zukunft geplant.

Erstmalig bekommt ein JB-Scheinwerfer ein Farb-Touch-Display spendiert – endlich auch mit der lang ersehnten Akkupufferung, die ein komfortables Setup der Leuchte bereits vor Inbetriebnahme des kompletten Systems ermöglicht. Noch viel wichtiger: Auch der hauseigene W-DMX-Empfänger gehört nun der Vergangenheit an. Ab sofort kommt hier ein LumenRadio-Modul zum Einsatz, das neben einer einfacheren Integration in bestehende Strukturen jetzt auch die Nutzung als DMX-Receiver zulässt. Luftig empfangene Daten können so anschließend kabelgebunden über XLR oder EtherCon an weitere Geräte ausgegeben werden.

Und da wir schon beim Thema „Luft“ sind: War das Thema „Remote“ bereits lange Zeit überfällig, bietet der P18 nun auf einen Schlag nicht nur RDM, sondern auch eine Bluetooth- und WLAN-Schnittstelle mit passender App für iOS und Android. Dies soll einerseits das mühsame Programmieren einzelner Stand-Alone-Schritte über das Menü wesentlich vereinfachen, aber auch das Setup der Leuchte sowie das Auslesen wichtiger Daten ermöglichen. Final soll hier sogar das Aufspielen neuer Firmware-Updates per WLAN möglich sein, auch wenn man dem Spot zur Sicherheit noch eine Mini-USB-Buchse für die Übergangszeit spendiert hat.

Leider war ein Großteil dieser spannenden Features und, wie wir zu unserem Bedauern feststellen mussten, auch die App bei unserem Testgerät noch nicht funktional – Fluch und Segen des Privilegs, als einer der ersten mit neuen Maschinen „spielen“ zu dürfen! Glücklicherweise nicht verändert hat man die extrem praxistauglich angeordneten acht Camlock-Buchsen, die eine Montage in zwei Richtungen, vor allem aber in unterschiedlichen Abständen zum Ausgleich verschiedener Truss-Bracings ermöglichen. Auch die bekannte, seitlich abstehende Öse für die Sekundärsicherung weiß wie immer in puncto Dimensionierung und Handling zu gefallen.

Auch im Bereich der Menüführung hat man dankenswerterweise nicht zwanghaft auf eine neue Benutzerführung gesetzt, sondern vertraute und behielt die logisch aufgebauten Strukturen für ein einfaches, schnelles und intuitives Setup bei. Hier ist eine Konfiguration ohne Blick ins Manual möglich – und das war auch gut so, war doch das endgültige Manual zum Zeitpunkt unseres Testes noch gar nicht fertig. Daher hatten wir nur eine „Vorab-DMX-Chart“ zur Verfügung, die insgesamt zwar drei DMX-Modi auswies, hiervon bisher allerdings nur Mode 1 und 2 mit Inhalt gefüllt waren. Im von uns verwendeten „Standard-Mode“ kommt der P18 dabei auf 41, im hochauflösenden Mode 2 sogar auf 51 Kanäle.

 


»Die Feature-Liste des P18 liest sich wie ein Wunschzettel aus einem Designerhaushalt«

Stefan Junker zeigt sich begeistert vom Varyscan P18


 

Geräuschentwicklung

Dem Thema Kühlung wurde dabei nicht nur hinsichtlich seiner Effizienz, sondern vor allem auch im Bereich der Geräuschentwicklung große Aufmerksamkeit geschenkt. So lässt sich der P18 in verschiedenen „Cooling Modes“ betreiben, wobei hier vor allem der „Theatre Whisper“-Mode zu beeindrucken weiß. Hier erzeugt der Scheinwerfer laut Hersteller eine Lautstärke von gerade einmal 29 dB(A) – und das dauerhaft! Im Gegensatz zu vielen Silent-Modes anderer Maschinen wird hier nicht nur die Lüfterdrehzahl so lange wie möglich gering gehalten, sondern stattdessen höchste Priorität auf die Geräuschemission gelegt. So werden beispielsweise die Geschwindigkeiten der Motoren im Bereich Movement, aber auch bezüglich Farb- und Effekteinheit stark verlangsamt sowie im Standby abgeschaltet – was in der uns zur Verfügung gestandenen Software-Version beim erneuten Anfahren allerdings gelegentlich ein leises „Tack“-Geräusch produzierte.

Aber auch der Output wird reduziert, JB-Lighting gibt hier eine Reduktion der Leistung von massiven 34.000 lm auf immer noch stattliche 26.300 lm, also um rund 23 Prozent an. Eine klare Ausrichtung auf den Theaterbetrieb oder andere, geräuschsensitive Anwendungen, in denen es nicht um „@Full-Workflow“ und Effektgeschwindigkeit des Rock’n’Roll, sondern um exaktes Einrichten und primär flüsterleisen Betrieb ankommt.

Mit einem sukzessive höher drehenden Lüfter steigt in den anderen Betriebsmodi auch der Output, vom klassischen „Silent“-Mode mit 28.000 lm über den „Standard“-Mode mit 32.000 lm bis hin zum „Boost“-Mode mit maximalen 34.000 lm. Diese Angaben beziehen sich alle auf unser Testgerät, also die Version mit 7.000 K LED-Cluster, die wärmere Version liegt dementsprechend jeweils etwas unter den genannten Werten. Leistungstechnisch nicht nur objektiv beachtliche Zahlen, sondern auch eine im Praxistest unglaublich beeindruckende Performance – speziell im Hinblick auf die mit knapp 75 cm Höhe doch noch kompakte Bauform und einem mit 32 kg vergleichsweise geringem Gewicht.

JB-Lighting Varyscan P18
„Boost“-Mode hier liegt der Output bei maximalen 34.000 lm (Bild: Stefan Junker)

Und noch etwas ist – speziell im Hinblick auf Kamera- und Theateranwendungen – bemerkenswert: Neben den üblichen PWM-Frequenzen von 50 Hz oder 60 Hz zur Ansteuerung der LED-Stränge hat man beim P18 die Möglichkeit, eine Refresh-Rate von 600 Hz oder sogar 3 kHz auszuwählen. Eine Frequenz, die nicht nur einen flackerfreien Betrieb bei Kamera-Aufzeichnungen bis hin zu Highspeed-Aufnahmen ermöglicht, sondern vor allem eine Art Stroboskop-Effekt bei gedimmten LEDs und schnellen Bewegungen vermeidet. Gerade im Theater und seinen oftmals extrem gedimmten Stimmungen erzeugen die großen Abstände der Impulse bei nur 50/60 Hz einen sehr abgehackten Verlauf von Bewegungen – deutlich erkennbar beispielsweise bei der Projektion eines schnellen Gobodurchlaufs und niedriger Intensität. Schattenseite der hohen Taktung war bei unserem Testobjekt allerdings ein leichter Pfeifton, der beim Dimmen deutlich hörbar war und den sonst so ruhigen Klang der Stille durchbrach.

Praxis

JB, JB, bringst Du mir was mit? Was Leistungsstarkes, was Schnelles und was extrem Leises? Drei Dinge auf einmal? Das geht …

Tatsächlich begeistert der P18 bereits beim ersten Test mit drei Fakten: Er ist unglaublich hell, für seine Größe unglaublich schnell und dabei kaum hörbar – zumindest im Stillstand! Die eigens für den P18 entwickelten, extrem leistungsstarken 3-Phasen-Schrittmotoren erzeugen dabei eine Power, die nicht nur in der enormen Haltekraft, sondern vor allem beim Thema Geschwindigkeit zum Tragen kommt. Mit knapp 3 s für 540° Pan sowie rund 1,8 s für 280° Tilt ist der Kopf für seine Masse erstaunlich flott unterwegs, das Ansprechen auf Controllerbefehle ist dabei absolut direkt und unmittelbar sowie ohne jegliches „Nachlaufen”.

Dimmer und Shutter

Der Output ist – wie bereits mehrfach erwähnt – beeindruckend, die Lichtverteilung bei fokussiertem Beam sehr gleichmäßig und vor allem das Dimming fantastisch. Wie bereits von früheren Scheinwerfern gewohnt, wird bei JB-Lighting sehr viel Wert auf sauberes und lineares Dimming gelegt, beispielsweise auch im Bereich des True-Color-Dimmings bei den LED-Washlights A8, A12 oder Sparx. Bei einer rein weißen Engine geht es natürlich nicht um farbtreues Dimming, aber um gleichmäßige und vor allem weiche In- und Outfades bis hinunter in die untersten Intensitätsbereiche. Hier brilliert der P18 geradezu, das Aus- und Eindimmen erfolgt selbst bei minimalsten Werten weich und ohne erkennbare Sprünge – nahezu unabhängig von der vorgegebenen Fadezeit!

Aufgrund der Interpolation und „Trägheit“ der Dimmerkurve reagierte unser Spot unmittelbar und schnell auf Flash-Befehle, verlor sich aber bei schnellen Faderbewegungen oder Sinus-Effekten gerne irgendwo im Mittelfeld – ein Umstand, der sich mittels Control-Kanal bei unserem Testgerät zwar umstellen ließ, in Zukunft aber bereits per Default für den Spot angelegt werden soll. Einen mechanischen Shutter gibt es selbstverständlich nicht, der elektronische Verschluss ermöglicht hier sehr schöne und schnelle Strobe-, Random- und Puls-Effekte in Open- und Close-Variationen.

Farbmischung und Farbrad

Die konventionelle CMY-Farbmischeinheit wurde auf die spektrale Zusammensetzung der LED-Engine abgeglichen und erzeugt sehr intensive und kräftige Farben in Cyan, Magenta und Gelb mit hoher Transmission. Aber auch tiefes Grün, fast schon UV-Blau und ein sehr schönes und gesättigtes Rot sowie Pastelltöne mit unterschiedlichen Sättigungen sind nuancenreich darstellbar. Ein linearer CTO-Filter verschiebt die Farbtemperatur der Tageslichtquelle in den Kunstlichtbereich, je nach eingesetztem LED-Cluster bis ca. 3.000 K (7.000 K) beziehungsweise 2.500 K (6.000 K).

Zusätzlich zur Farbmischung besitzt der P18 ein sehr schnelles Farbrad mit sechs austauschbaren Voll- und Halbfarben, linearer Farbanwahl sowie kontinuierlichem Farbdurchlauf. Besonderheit am Farbrad ist, dass ein HighCRI-Filter auf einem Platz liegt. Über diesen Filter kann der CRI von ursprünglichen 72 auf ca. 86 angehoben werden, mit Einbußen der Helligkeit. Bei den Farben muss allerdings softwaretechnisch noch einmal korrigiert werden, die Halbfarben unseres Testgerätes waren eher 1/3 zu 2/3- Farben, die lineare Anwahl sehr grob aufgelöst und auch der Farbmakro- Kanal noch nicht implementiert.

JB-Lighting Varyscan P18
Korrekturbedarf Die Position der Halbfarben auf dem Farbrad waren bei unserem Testgerät eher 1/3 zu 2/3-Farben und müssen softwaretechnisch noch etwas korrigiert werden (Bild: Stefan Junker)

Gobo, Animationsrad und Effekte

Die Gobosektion besteht trotz der nachfolgenden Blendenschiebereinheit aus statischem, rotierbarem und Animationsrad. Die Auswahl an acht statischen und sechs rotierbaren Gobos auf den ersten beiden Rädern erfolgte in enger Abstimmung mit einigen Lichtdesignern – ungeachtet dessen bleibt jedem Anwender hier selbst überlassen, die Motive auf beiden Rädern dem eigenen Geschmack anzupassen.

Alle Gobos sind Glasgobos, Motive aus Blech würden der enormen Hitze nicht standhalten und sind deswegen nicht möglich. Durch den Glasträger hat dies auch eine leichte Abwärts-Verschiebung der Farbtemperatur um rund 100 K zur Folge, was trotz des geringen Wertes im direkten Vergleich optisch durchaus sichtbar ist.

Das Animationsrad ist ein kleiner Wermutstropfen in der ansonsten nahezu durchgängig überragenden Performance des P18. Ungeachtet der positiven Tatsache, dass der Spot trotz Blendenschiebermodul und zweier Goboräder überhaupt ein solches Effektrad besitzt, musste sich die Funktion als solche doch gewissen Grenzen beugen. Das Rad kann aus Platzgründen nicht eingefahren werden, sondern befindet sich analog den Goborädern immer im Strahlengang. Daher besitzt das Rad keine durchgängige Struktur, sondern eine offene Position sowie einen vertikal und einen horizontal gelaserten Bereich. Je nach Wunsch können nun Wasser- oder Feuereffekte erzeugt werden, das Rad pendelt dabei allerdings nur in verschiedenen Geschwindigkeiten im jeweiligen Bereich hin und her – eine echte Animation ohne Richtungswechsel ist dadurch also leider nicht möglich.

Kompensiert wird dieser Umstand durch den sogenannten „Sparkle-Effekt”. Über zwei DMX-Kanäle können hier die einzelnen LED-Stränge der Lichtquelle unterschiedlich stark, in verschiedenen Geschwindigkeiten sowie gefadet oder geswitcht angeregt werden. Dies erzeugt eine Art „organisches Zittern“ und wirkt somit ähnlich wie ein elektronisches Animationsrad.

Der Fokus arbeitet in Kombination mit dem optischen System sehr hochwertig und erzeugt trotz einer großflächigen Lichtquelle scharfkantige Abbildungen nahezu über den gesamten Projektionskreis sowie sehr schöne Morphing-Effekte zwischen den Motivebenen. Bei größtem Zoomwinkel und extremer Fokuseinstellung lässt sich in der Mitte des Projektionskreises dezent das LED-Cluster erkennen, dies ist aber eher eine theoretische denn in der Praxis relevante Anmerkung.

Gobo- und Animationsräder können fast über den gesamten Bereich des großzügigen 1:8 Zooms von 7° bis 56° scharf abgebildet werden – lediglich bei engabstrahlenden Beams muss der Schärfe mit etwas Zoom nachgeholfen werden. Zukünftig soll hier auch noch ein Autofokus-System implementiert werden, das eine eingestellte Schärfe einem bestimmten Algorithmus folgend nachführt.

 


»Das Animationsrad ist ein kleiner Wermutstropfen in der ansonsten nahezu durchgängig überragenden Performance des P18.«

Stefan Junker


 

Frostfilter und Prismen

Prismen und Frost schränken den Fahrweg des Zooms etwas ein, bei Nutzung dieser Funktionen vergrößert sich der kleinstmögliche Öffnungswinkel um einige Grad. Dafür hat der Nutzer die Wahl zwischen zwei variabel einfahrbaren Frostfiltern, werkseitig bestückt mit einem sehr dezenten 1°- und einem weicheren 5°-Frost. Auf Wunsch erhältlich sind hier auch Varianten mit 10° und 20°, allesamt hergestellt aus auflaminiertem 3D-Material, was laut JB-Lighting einen deutlich verbesserten Wirkungsgrad und eine Transmission von 96 Prozent im Vergleich zu klassisch glasperlengestrahlten Frost-Scheiben aufweist. Dies lässt – gerade in Kombination mit der großflächigen Frontlinse – weit häufiger als bisher auch die Nutzung des Spots als Washlight zu, da der Scheinwerfer selbst mit Frostfilter noch ordentlich Punch aufweist. Unter anderem ein Grund, warum JB-Lighting hier auch eher auf eine All-In-One-Lösung setzt und derzeit keine Wash-Variante des P18 geplant ist.

 

Aber nicht nur Frostfilter, auch indizier- und rotierbare Prismen besitzt der Scheinwerfer zweifach, ausgelegt als 3-fach zirkuläres und 5-fach lineares Prisma. Sowohl Prismen als auch Frostfilter können dabei aufgrund ihrer gegenüberliegenden Lage im Kopf jeweils nur einzeln, nicht in Kombination verwendet werden.

JB-Lighting Varyscan P18
Keine Kombination möglich Sowohl Prismen als auch Frostfilter können aufgrund ihrer gegenüberliegenden Lage im Kopf jeweils nur einzeln, nicht in Kombination verwendet werden (Bild: Stefan Junker)

Der Vollständigkeit halber soll noch erwähnt werden, dass bei unserem Testgerät ein spezieller Effekt-Makro-Kanal zwar implementiert, aber noch nicht final abgestimmt war, weshalb es hier bei Nutzung von Fokus und Zoom zu gelegentlichen Kollisionen zwischen Linsen und Effekten kam. Weiterhin war beim Einfahren der Frostfilter ein deutliches Pfeifen der Stepper zu hören – beides kleine Schönheitsfehler, die sicherlich im Rahmen des Finetunings softwareseitig leicht in den Griff zu bekommen und wahrscheinlich zum Zeitpunkt der Drucklegung von flinken Entwicklerhänden bereits beseitigt worden sind.

Framing-Modul

Last but not least besitzt der P18 auch noch ein Framing-Modul, das neben der Blendenschiebereinheit auch Heimat einer Highspeed-Iris mit 18 Lamellen ist. Das Framing-Modul selbst lässt sich um +/- 45° drehen und besteht wie üblich aus vier Blenden, die allesamt komplett in den Strahlengang eingefahren werden können und so das Handling – gerade bei Winkeln abseits der 90° – enorm verbessern. Der dadurch notwendige, schichtweise Aufbau hintereinander und eine dementsprechend nicht komplett gleichmäßig scharfe Abbildung der vier Blades ist der akzeptable Preis, der für dieses Extra gezahlt werden muss.

Äußerst positiv ist die Tatsache, dass die Kanten in allen Zoombereichen stets geradlinig und verzerrungsfrei bleiben – ein Umstand, der nicht immer selbstverständlich ist, auch wenn er das sein sollte! Werden Iris oder Framing-System in den Strahlengang gefahren, läuft ein auf dem Modul angebrachter Lüfter an, um die Temperatur der hier notwendigerweise aus Metall bestehenden Lamellen und Schieber im Zaum zu halten. Was bei unserem Testgerät noch deutlich hörbar war, soll in einem zukünftigen Update im bereits leistungsreduzierten „Whisper“-Mode keine Auswirkungen mehr auf den Geräuschpegel haben.

Fazit zum Varyscan P18

Allein die 1.000 W-Weißlicht-LED-Engine ist schon eine klare Ansage – aber der P18 packt noch einiges an Funktionalität oben drauf. Die Liste an Features des neuen Scheinwerfers aus dem Hause JB-Lighting ist lang und liest sich wie der Wunschzettel aus dem Designerhaushalt: Farbmischsystem plus Farbrad, linearer CTO-Filter, zwei Goboräder, physikalisches und elektronisches Animationsrad, Highspeed-Iris, großer 1:8-Zoombereich, zwei Frostfilter, zwei Prismen und eine komplette Blendenschiebereinheit bieten alles, was das kreative Herz höher schlagen lässt. Aber auch der Systemmann kommt nicht zu kurz, wurde dem P18 nun endlich akkugepuffertes Display, LumenRadio-WDMX, RDM-Funktionalität und – in naher Zukunft – eine Kommunikation zwischen iOS- oder Android-App mittels Bluetooth und WLAN spendiert!

Aber es sind nicht nur die Fakten – auch der Praxisbetrieb weiß zu überzeugen! Der P18 schafft, was bisher wohl nur wenige Scheinwerfer vermögen: Er brilliert in mehreren Welten gleichermaßen stark. Egal, ob im Theater mit unglaublich weichem Dimming und extrem geringer Geräuschentwicklung, im TV-Bereich mit flackerfreiem Betrieb oder im Rock’n’Roll mit beeindruckendem Output, richtig Tempo in der Bewegung, schnellen Farbwechseln und vielerlei kreativem Potenzial. All das, vereint in einem qualitativ hochwertigen Spotlight „made in Germany“, mit durchdachter Service-Philosophie hinsichtlich Modulbauweise des Scheinwerfers sowie Support seitens des Herstellers.

Der JB-Lighting Varyscan P18 ist ab sofort in der Variante mit 7.000 K Farbtemperatur für einen Listenpreis von 13.680 € netto, mit 6.000 K LED-Cluster für 13.980 € netto erhältlich.

 


 

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Hier geht es zum Testbericht des Varyscan P4 

 

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