Richtcharakteristik bei Mikrofonen

Richtcharakteristik von Mikrofonen – Die große Übersicht

Die Richtcharakteristik gibt an, wie empfindlich Mikrofone auf Schall aus verschiedenen Richtungen reagieren. Zu beachten ist dabei, dass die Richtcharakteristik eines Mikrofons immer auch frequenzabhängig ist: Je tiefer die Frequenz, desto ungerichteter das Mikrofon. Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Mikrofonen – den live kaum eingesetzten ungerichteten Typen (Kugel) und verschiedenen Arten gerichteter Mikrofone, deren Charakteristik meist ineinander übergeht.

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Darstellung eines Mikrofons mit Richtcharakteristik Kugel

 

Kugel: Egal aus welcher Richtung der Schall auf das Mikrofon trifft, das Mikro nimmt den Schall aus jeder beliebigen Richtung gleich stark auf. Die Kugel liefert zwar unter rein klangästhetischen Aspekten betrachtet, den neutralsten und natürlichsten Sound, ist aber für den Live-Einsatz − von Ausnahmen einmal abgesehen − eher ungeeignet. Da der Schall aus allen Richtungen gleichberechtigt wahrgenommen wird, ist nicht nur die Ausrichtung auf nur ein Instrument praktisch unmöglich, sondern auch die Anfälligkeit für Rückkopplungen enorm hoch! Headsets und Ansteckmikrofone bilden zuweilen eine Ausnahme von dieser Regel.

Vorteile: ungefärbter, natürlicher Klang

Nachteile: keine Separation möglich, sehr hohe Rückkopplungsanfälligkeit

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Richtcharakteristik Niere: In der Praxis fällt der Balloon je nach Frequenz verschieden aus

Niere: Die wohl häufigste Form eines gerichteten Mikrofons, auch Cardioid genannt. Es nimmt den Schall von vorne (On-Axis) deutlich stärker wahr als Schall, der von der Seite eintrifft; von hinten eintreffender Schall wird noch mehr ignoriert. Bei der Niere handelt es sich um die in Live-Situationen wohl am häufigsten anzutreffende Richtcharakteristik.

Das Mikrofon kann gezielt auf ein Instrument ausgerichtet werden, die Gefahr von Rückkopplungen ist reduziert und bei Bespielung On-Axis erhält man immer noch einen natürlichen Klang. Zwei Dinge sind jedoch zu beachten: Zum einen »leidet« jedes gerichtete Mikrofon unter dem Nahbesprechungseffekt, zum anderen ist die Richtcharakteristik nicht über den gesamten Frequenzbereich hinweg konstant. Bei seitlich eintreffendem Schall (Off-Axis), können also klangliche Verfärbungen auftreten (dies gilt insbesondere für billige, schlecht entwickelte Mikrofone).

Vorteile: gezielte Ausrichtung auf eine Schallquelle möglich, relativ resistent gegen Rückkopplungen, On-Axis recht neutraler Klang

Nachteile: Off-Axis u. U. klangliche Verfärbungen

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Richtcharakteristik Superniere

Super- / Hyperniere: In der Praxis kann man für unsere Zwecke den Unterschied zwischen Super- und Hyperniere vernachlässigen. Seitlich eintreffender Schall wird noch weniger wahrgenommen, die Niere wird deutlich schmaler, die Schallquelle wird stärker »isoliert« als dies bei einer reinen Niere der Fall ist. Erkauft wird diese Verengung aber bauartbedingt mit einer größeren Empfindlichkeit gegenüber von hinten eintreffendem Schall und auch der Nahbesprechungseffekt ist deutlicher ausgeprägt als bei einem Nierenmikrofon. Insbesondere bei Gesangsmikrofonen hat sich diese Richtcharakteristik immer mehr etabliert. Vorsicht ist aber aufgrund der Empfindlichkeit dieser Mikrofone gegenüber von hinten auftreffendem Schall angebracht: Der Bodenmonitor sollte nicht direkt vor dem Sänger stehen, sondern etwas seitlich.

Vorteil: sehr gute Isolierung der Schallquelle

Nachteile: stark ausgeprägter Nahbesprechungseffekt, empfindlich für von hinten eintreffenden Schall, meist stärkere Off-Axis-Verfärbungen

Richtcharakteristik Acht (alle Grafiken: Shure
Richtcharakteristik Acht (alle Grafiken: Shure

Acht (Bi-direktional): Mikros mit dieser Richtcharakteristik nehmen den Schall von vorne und hinten gleichberechtigt wahr. Am unempfindlichsten sind sie gegenüber seitlich eintreffendem Schall. Bändchenmikrofone weisen praktisch immer diese Richtcharakteristik auf und auch zahlreiche echte Kondensatormikrofone lassen sich auf die Charakteristik einstellen.

Im Studio lassen sich mit dieser Richtcharakteristik (insbesondere bei Verwendung von Bändchenmikrofonen) teilweise sehr schöne Ergebnisse erzielen. Auch für die ein oder andere Stereo-Mikrofonie sind Mikros mit 8er-Charakteristik unerlässlich, im Live-Betrieb jedoch ist diese Richtcharakteristik aufgrund ihres janusköpfigen Verhaltens und ihrer hohen Anfälligkeit gegenüber Rückkopplungen praktisch nicht anzutreffen. Auch der Nahbesprechungseffekt ist bei dieser Richtcharakteristik sehr ausgeprägt.

Vorteile: im Live-Betrieb meist keine

Nachteile: vorne und hinten gleich empfindlich, sehr hohe Rückkopplungsanfälligkeit, sehr stark ausgeprägter Nahbesprechungseffekt

 

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