Live mischen

Live auf Tour: Ich packe meinen Koffer

Werkzeug
(Bild: Detlef Hoepfner)

Als Freelancer oder häufiger Gastmischer muss man sich selbstverständlich in der Lage sehen, mit ständig wechselndem und häufig brandneuem Equipment umzugehen. Mindestens sollte man mit einem Minimum an Recherche oder Einweisung die grundlegende Bedienung beherrschen. Etwas Beschäftigung mit dem Puls der Zeit liegt vielen Tontechnikern ja sowieso und bleibt also auch in gewisser Weise Pflicht – solange es eben nicht zum Selbstzweck verkommt. Eike Hillenkötter gibt in seinem Buch „Live mischen – Praxiswissen für Tontechniker und Musiker“ Tipps dazu, was man als Techniker an eigenen Tools dabei haben sollte.

Ich packe meinen Koffer

Obwohl viel von dem, was an Equipment oder Material für einen Gig benötigt wird, vollkommen vom Einzelfall abhängt, so gibt es doch einige Dinge, die ich mitbringe, selbst wenn ich »nichts mitbringen muss«.

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Dabei handelt es sich vor allem um Sachen, die sich bei Zeitknappheit als schwer zu beschaffen oder als für meine Arbeit unverzichtbar herausgestellt haben.

Wasserdichter, robuster Koffer

Dieser beinhaltet in der Regel alles, was ich zu einem solchen Kofferjob mitnehme. Kann zur Not sogar als Safe für empfindliches Equipment bei plötzlich einsetzendem Regen dienen. Ich beschrifte ihn üblicherweise mit meinem Namen, und bei Festivals oder in ähnlich unübersichtlichen Settings zusätzlich mit dem Namen der Band oder auch mit meiner Mobilfunknummer. So landet der Koffer auch nicht aus Versehen im falschen Transporter

In-Ear-Hörer

Immer mit dabei, platzsparend. Dazu passend immer ein Adapterkabel für 6,3-mm-Kopfhörerbuchsen. Ich benutze sie am FOH-Pult für die üblichen Aufgaben oder als Gehörschutz. Dazu nehme ich immer Ersatzpolster aus Memoryschaum mit.

Neon-Markierungstape

Gut sichtbar in dunklen Venues oder bei Nacht. Zu viel Veranstaltungsequipment trägt schwarz, mit Leuchtfarben markiert kann ich meinen Kram auch im Dunkeln, in Taschen, Cases und Koffern schnell erkennen und finden. Zusätzlich lässt sich das Tape auch gut als Pultbeschriftungsband sowie als Beschriftungsband für Bühnengeräte oder zur sehr gut sichtbaren Bodenmarkierung von Positionen für Stative oder Performer verwenden.

Taschenlampen

Ich führe eigentlich immer mehrere Taschenlampen mit, wobei ich eine ständig dabei und andere in Koffern etc. deponiert habe. Man weiß nie, wofür man sie braucht, aber alleine zur »Was liegt noch irgendwo rum?«-Kontrolle nach der Show haben sie sich schon mehrfach bezahlt gemacht. Durch eine Art Zoom-Funktion kann man sie auch gut als Zeigeinstrument für weit entfernte Dinge verwenden.

Multitool

Seit ich eins besitze, frage ich mich, wieso ich jahrelang eine Werkzeugtasche mitgeschleppt habe. Im Laufe einer Veranstaltung ergeben sich eigentlich immer etliche Situationen, die mit Hilfe eines Multitools schnell gelöst werden können. Am häufigsten nutze ich es vermutlich für Mikrofonklammern und Reduziergewinde.

Lösbare Kabelbinder

Ich benutze davon Dutzende (in der breiten Variante mit einer leicht lösbaren Verriegelung) in verschiedenen Längen. Organisieren Kabel aller Art. Sind stabil, wiederverwendbar und dienen zur Not auch zur Befestigung für Banner, als temporäre Halterung für eine Taschenlampe, zur Zugentlastung oder Fixierung von Kabeln.

Adapter

Je nach Einsatz. Praktisch, wenn man zusätzliche Monitorwege aus Multicorekanälen bauen muss oder wenn Monitore oder andere Geräte Klinke-Kabel verlangen. Mit diversen Sex-Changern und mehreren XLR-Klinke-Adapterkabeln kann dann so manches (sonst unter Umständen echt stressiges) Anschlussproblem gelöst werden. Hat schon diverse Künstler vor allem durch überraschend doch realisierbare Monitor- oder IEM-Wege glücklich gemacht. Musiker freuen sich übrigens auch erstaunlich häufig über Kopfhöreradapter.

Gehörschutz

Für mich Pflicht, sobald ich eine Bühne betrete, auf welcher sich bereits Instrumente oder Monitore befinden. Manchmal laufe ich auch gerne vor der PA lang. Ich habe kein Bedürfnis, mir temporär oder permanent mein Gehör durch einen unachtsamen Schlag auf die Snare oder wildes Pfeifen aus Monitoren oder Cabs beeinträchtigen zu lassen. Auch Konzerte anderer Künstler des Abends, die ich nicht mische, höre ich mir dann zumindest teilweise lieber etwas gefiltert an.

Tipp

Ich behandle mein eigenes Equipment mit Respekt. Schließlich handelt es sich um mein Werkzeug. Ich will ich mich darauf verlassen können und schätze, was es für mich tun kann. Das Equipment anderer Leute behandle ich noch besser.

Gewebeband

Klassiker. Ich habe das für mich richtige gefunden: gut zu reißen, in allen – außer den anspruchsvollsten – Situationen rückstandsfrei zu entfernen, gut klebend und stabil. Tipp: Innen mit dem Namen des Eigentümers beschriften.

Handschuhe

Ich benutze Arbeitshandschuhe, die ursprünglich wohl als Segelhandschuhe gedacht waren. Egal, ob man mit kalten Händen kalte, scharfkantige metallene Dinge tragen will oder einfach nur keine Lust hat, sich beim Kabelwickeln die Hände zu versauen, ich finde die praktisch. Die Fingerkuppen liegen frei, was Feinarbeiten oder das Bedienen von Potis etc. einwandfrei erlaubt.

Kontaktspray

Zur Reinigung von Kontakten aller Art. Im Zweifelsfall gut geeignet, um die Buchse der Gitarre ohne Ersatz wieder funktionsfähig zu machen.

Volle Batterien

9 V, AA, AAA. Finden immer Abnehmer. Verschenke ich gerne, wenn dadurch eine Unterbrechung beim Soundcheck oder ein plötzlicher Signalausfall bei der Show verhindert werden kann.

Instrumentenkabel/Klinke-Klinke-Patchkabel

Siehe »Batterien«. Werden auch gerne von Künstlern genommen. 🙂

Kabeltester

Schont Zeit und Nerven. Nutze ich gerne, um die Kabel kritischer Verbindungen und Notfall-Austauschkabel vor der Show zu überprüfen.

Teleskopantenne

Benutze ich, um schnell und unkompliziert Mikrofonabstände messen zu können (wie etwa der Abstand der Overheads von der Snare).

Talkback-Mikro und Kabel

Gerne mit geräuschlosem Schalter. Manchmal am Mischpult nicht vorhanden, finde ich aber angenehm. Dient zusätzlich als Notfall- oder Spare-Mikro.

Notfallapotheke

Beschränkt sich bei mir auf Kopfschmerztabletten für den Notfall und in der Erkältungszeit auf schleimlösende Tabletten (seit eine fiese Erkältung mir mal fast die Ohren »verstopft« hat).

Snacks und Getränke

Obwohl beides üblicherweise gestellt wird, kann einem doch manchmal der Zeitplan einen doofen Strich durch die Rechnung machen. Getränke stehen je nach Venue oder Anlass manchmal erst weit nach dem Aufbau bereit. Mir hat jedenfalls schon das ein oder andere Mal ein Schokoriegel oder ein Schluck Limo das Durchhalten erleichtert.

Soundcheck

Wie gut die Mikrofone im Zusammenspiel mit Band und Bühne funktionieren, zeigt sich spätestens beim Soundcheck – Tipps zum Soundcheck findet ihr in dieser Soundcheck-Folge!

Ausschnitt aus dem Buch „Live mischen – Praxiswissen für Tontechniker und Musiker“ von Eike Hillenkötter.
Erschienen im mitp-Verlag, zu beziehen – wie viele weitere Bücher zum Thema Veranstaltungstechnik – hier in unserem PRODUCTION PARTNER Shop!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Stimmt mit meinem Toolcase fast alles überein, jedoch Süßigkeiten ess ich generell keine. Was ganz wichtiges hat er jedoch vergessen, die Stereo DI-Box, hatte gerade diesen Sonntag wieder ein Gig bei dem der Kunde es einfach voraussetzt, dass der Techniker sowas dabei hat. Was ebenfalls ins Toolcase gehört, ist ein Adapterböxchen um das Handy ans Mischpult anzuschließen.

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    1. Du hast schon recht, ich nehme in der Regel eher noch mehr mit als das oben genannte. Da können dann auch schon mal eine DI-Box und 2 Standardmikros und ein Lautsprecherkabel und diverse Mikrofonhalterungen den Weg in den Koffer finden. 🙂

      Aber geht ja hauptsächlich um “Dinge, die ich mitbringe, selbst wenn ich »nichts mitbringen muss«“ — wenn der Kunde irgendetwas voraussetzt, dann habe ich das hoffentlich schon vorher mit ihm geklärt 🙂

      Das Adapterkabel für’s Telefon habe ich wahrscheinlich unter “Adapter“ mitgedacht, aber guter Hinweis. Auch wenn bei den allermeisten Veranstaltungen, bei denen ich in letzter Zeit mitmischen durfte sowas vorbereitet herumlag.

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  2. Ich fände es prima, wenn du noch ergänzt, auf welche Produkte du denn setzt (Koffer, Multitool, Handschuhe, Klebeband …) Das erspart viel Herumprobiererei und den einen oder anderen Fehlkauf.

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    1. Ha, ja, verstehe ich. Allerdings mache ich in dem ganzen Buch keine Werbung für bestimmte Hersteller, da ich in vielen Fällen ein Herumprobieren ja letztendlich für den gewinnbringendsten Weg halte. Wenn Du mir eine Email an info@livemischer.de schreibst, kann ich Dir aber natürlich was verraten 🙂 Ich habe da schon gewisse Favoriten.

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  1. Live Mischen: Tipps für einen tollen Sound › Production Partner

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